Samstag, 18. Januar 2014

Besuch in der Hoelle


Die Figuren im Vordergrund sind etwa lebensgross
Kaffee, Toast, Butter, 2 Spiegeleier, Aprikosenmarmelade, Banane, Wassermelone, Papaya, Mango und Ananas.
Eigentlich habe ich die, mir bekannten, touristischen Ziele im Sueden Sri Lankas durch. Nahe dem Nationalpark in Uda Walawe, welchen ich letztes Jahr mit Robert und Helga besucht habe, gaebe es noch ein Elefantenwaisenhaus in Pinnawela. Mir scheint aber der ganze Rummel eher an den Interessen der Touristen orientiert und freilebende Elefanten habe ich eben in Uda Walawe schon erlebt. Da waere auch noch das "Hummanaya blow-hole" von Dikwella, finde ich aber auch nicht richtig spannend, ausserdem soll es seine ganze Attraktivitaet nur waehrend der Monsunsaison entfalten, und die ist gerade nicht. Besagte Robert und Helga haben mir aber von einem Tempel, ebenfalls Naehe Dikwella berichtet, dessen Buddhafigur man besteigen darf und wo mit seltsamen Skulpturen die Hoellenqualen suendiger Buddhisten dargestellt werden.

Christiane, in ehrfuerchtiger Betrachtung


Seit einigen Tagen ist Christiane aus Duesseldorf, von Beruf Gestalttherapeutin, in Puranagama meine Nachbarin auf Zeit. Da ich die anregenden Gespraeche mit ihr sehr schaetze und gemeinsame Ausfluege mehr Spass machen, frage ich sie, ob sie sich mir anschliessen wolle. Sie willigt ein, am naechsten Morgen nach unserem Fruehstueck und nachdem wir unsere Kleidung auf Tempeltauglichkeit ueberprueft haben, z.B. keine kurzen Hosen, geht es los.



Der Tempel von Wewurukannale (auf dem Link befinden sich ebenfalls Fotos, die einen guten Eindruck vermitteln) soll mit dem Threewheeler nur knapp eine Stunde entfernt sein, so bitten wir Manoj unseren Koch uns dort hin zu bringen. Die Fahrten mit dem Tuk-Tuk durch das Hinterland sind alleine schon immer Hoehepunkte, der Fahrtwind und die langsame Geschwindigkeit, die ganz andere Wahrnehmungen zulaesst, bereiten mir immer ein grosses Vergnuegen. Diesem Umstand entsprechend vergeht unsere Fahrt wie nix, wir biegen auf den Parkplatz vor dem Tempel ein und noch bevor wir aussteigen koennen, werden uns Lotusblumen als Opfergaben fuer Buddha angeboten. Da unser Besuch, zumindest fuer Christiane und mich, eher touristischen als spirituellen Charakter hat, lehnen wir dies dankend ab.

Tempelanlage Wewurukannale
Wir ersteigen die wenigen Stufen zum eigentlichen Tempelareal, Manoj will uns darauf hinweisen unsere Fuesse zu entbloessen, bricht aber mitten im Satz ab, als er sieht, dass wir dies schon unaufgefordert getan haben. Zur Rechten ist ein kleiner Turm, aus dessen Erdgeschoss ein grau- und langhaariger, aelterer Herr mit langem Bart und freundlichem Laecheln auf uns zu kommt und uns bittet  ihn in seine kleine Rezeption zu begleiten. Dort verlangt er jedem, nicht singhalesischem, Besucher etwas mehr als einen Euro als Eintritt ab und quittiert dies auf einem Vordruck.Obwohl meine Kamera, nicht als solche erkenntlich, noch in meinem Umhaengebeutel vor neugierigen Blicken verborgen ist, ruft der nette Herr mir noch hinterher, dass fotografieren erlaubt sei.

Wir betreten, ebenfalls ueber ein paar Stufen den Haupttempel. Im zentralen Raum mit ca 20 Meter Seitenlänge finden wir den liegenden, schlafenden Buddha und den sitzenden, meditiernden.

Warum der liegende Buddha schläft und nicht tot ist, habe ich schon an anderer Stelle erklaert (siehe Kommentare!). Jetzt moechte ich Eueren Focus auf die Handhaltung, sprich Mudras, des sitzenden Buddha lenken. Die Linke ist einfach zu interpretieren, die nach oben geoeffnete, auf dem Oberschenkel ruhende, Handflaeche ist die "Geste der Musse". Die rechte Hand haengt ueber das rechte Knie und beruehrt den Boden. Wenn dies mit allen fuenf Fingern geschieht, bedeutet dies die "Geste der Zeugenschaft", wo Buddha in einer Auseinandersetzung mit Mara die Erde als Zeugin anruft. Nun streckt unser Buddha in Wewurukannala aber den rechten Zeigefinger nach vorne. Ich habe mich schon bei meinem taeglichen Gespraechspartner Udite (spaeter mehr) erkundigt, der wusste aber auch keine Antwort, war sich aber sicher, dass dies eine andere Mudra waere, und will einen Moench danach befragen.


Um diesen zentralen Raum fuehrt ein Wandelgang, zu beiden Seiten mit Skulpturengruppen, in leicht uerbertriebener Lebensgroesse, die Szenen aus dem Leben Buddhas darstellen. Das ganze Gebaeude ist erst in den 60er, 70er Jahren des zwanzigsten Jahrhundert entstanden. Ich kann mich deswegen nicht des Eindrucks erwehren, als waeren hier gewisse Anleihen aus der damals entstehenden Pop-Art gemacht worden (kleiner Exkurs für die KunstgeschichtlerInnen unter meinen Lesern). Dies gilt auch fuer meinen spaeteren Besuch des Orkus, aber der Reihe nach.

Wir verlassen dieses Gebaeude, Christiane und ich wollen uns ueber das gerade Gesehene austauschen, da werden wir schon von einem, dem Kassierer aehnlichen, Herren zu einem kleineren Gebaeude gewinkt. Wir kommen dieser Einladung nach und betreten den aeltesten Teil der Tempelanlage. Der Hueter des Schrein weisst uns auf das Alter von ca 350 Jahren und auf die Zweiteilung in einen buddhistischen und hinduistischen Bereich hin. Zu seinen Aufgaben gehoert es offensichtlich auch Segnungen fuer die Besucher vorzunehmen. Zuerst wird zum Erhalt von Glueck ein Baumwollbaendchen unter Begleitung von Gebeten um das rechte Handgelenk geknotet. Mit aehnlichen Gebeten und Streichen ueber den Kopf des Klienten wird mit Hilfe von Asche (?) ein punktfoermiges Zeichen auf die Stelle zwischen den Augenbrauen appliziert, welches einem zu langem Leben verhelfen soll. Aufgrund meiner erheblichen Schweissabsonderungen verschwindet dies bei mir aber leider sehr schnell, ich hoffe, dies bedeutet nicht mein zeitnahes Ableben, ich habe schon noch einiges vor.
Yama, Herr der Unterwelt

Dermassen gestärkt koennen wir uns auf den Weg in die buddhistische Hoelle machen. Hier wird versucht sie in einem langen Tunnel darzustellen. Je zwei Figurengruppen, ebenfalls in leicht uebertriebener Lebensgroesse, zu beiden Seiten des Eingangs verkoepern den Hoellenfuersten Yama, seine dienstfertigen Daemonen und uns arme Suender.
Jetzt weiss ich auch, warum
unsere Skatrunde eingeschlafen ist
Im weiteren Verlauf sind es dann Gemaelde im naiven Stil, die zuoberst die Art der Suenden abbilden, darunter die jeweilige Bestrafung.
Der Hoelle ohne wahrnehmbaren Schaden entronnen, naehern wir uns der, weithinsichtbaren, mit 50 Metern hoechsten Buddhastatue in Sri Lanka. An die Rueckseite wurde ein achtstoeckiges Treppenhaus, innen wiederrum mit Szenen aus dem Leben Buddhas bemalt, gebaut, ueber das man auf die Hoehe des Kopfes gelangt. Dieser ist hohl, und durch ein rundes Fenster kann man sehen, dass er mit vielen kleinen Buddhastatuen gefuellt ist. Gemaess einiger Touristenfuehrer soll der Ausblick spektakulaer sein, meiner Erfahrungen in Madunagala und Mulkirigala entsprechend, kann ich das nicht nachvollziehen.

Inzwischen hat es leicht zu regnen begonnen, wir versuchen unser Tuk-Tuk und in der Folge auch Puranagama schnell zu erreichen.

Reis, Scampi, Stringbeans, "schaut aus wie Sternfrucht", Kartoffeln, Endiviensalat, Papadam, ein halbes Lion-beer (hat Christiane spendiert), Schokoladeneis.

Halb Bayern kaeme in die Hoelle...
kommen sie auch so, denke ich?
Das mit dem Grillen im Sommer
sollten wir uns auch nochmal ueberlegen!

Schuhe, kurze Hosen im Tempel?
Noe, noe!

Dienstag, 7. Januar 2014

Katharina, die Schnelle

Kaffee, Omelett, Butter, Toast, Marmelade, Mango, Papaya, Wassermelone und Banane

Eigentlich wollte ich von meinem unerwarteten Reisebegleiter Otto, dem Flotten, berichten. Aber bei meiner Recherche hat es sich ergeben, dass es wohl doch Katharina, die Schnelle, war, einerseits unerwartet, andererseits geplant.
Die unerwartete Katharina hat mich mit ihren Plaenen in der Nacht vor der Abreise ueberrascht, als sich der Abschiedswein mit Freunden einen unueblichen Weg aus meinem Koerper suchte. Danach weckte sie mich alle 2 Stunden mit einem Ansinnen, dessen Details ich Euch ersparen will. Trotzdem habe ich am naechsten Morgen versucht meinem Koerper Kalorien, in Form von Kuchen oder Fruchtquark zuzufuehren. Vielleicht hätte es intravenoes funktioniert, aber dafuer fehlte mir die Zeit. Bedeutet, ich habe 24 Stunden nichts zu mir genommen und bin aber, wie oben beschrieben schon wieder auf dem Weg der Besserung.
Die erwartete Katharina hat mir ein Geschenk für einen Freund mitgegeben, der General-Manager im Galadari Hotel in Colombo ist.
Aber der Reihe nach. Wie ueblich, bei einem Flug mit der Sri Lankan Airlines, bin ich nach 2 1/2 Stunden Bahnreise nach Frankfurt und 10 stuendigen Flug am Bandaranayke Airport in Colombo angekommen. Diesmal hatte ich kein Visum vorher in Deutschland beim Konsulat beantragt, kann man aber auch direkt am Flughafen machen und stellte keinerlei Probleme dar. Der einzige Nachteil ist, dass mein momentanes Visum leider nur 30 Tage umfasst, und ich also vor Ablauf dieser Frist in Colombo auf dem Imigrationoffice antanzen muss, um es zu verlaengern. Ersteinmal habe ich aber alle Formalitäten erfuellt und bin, auch wie ueblich, im Ausgangsbereich des Flughafens mit einer Wand von Menschen mit erwartungsvollen Gesichtern und Schildern, worauf die Namen von Hotels und den abzuholenden Touristen stehen, konfrontiert. Auch ich habe im Vorfeld mir einen Wagen organisieren lassen, der mich nach Puranagama, immerhin nochmal 6 Stunden Fahrzeit entfernt, bringt. Ich versuche die Schilder zu entziffern, kann aber unter den ersten 30 Aufschriften weder meinen, noch den Namen "Puranagama" lesen. Da sticht aus dem allgemeinen Gemurmel ein Ruf, der wie "Klaus" klingt, heraus, da kann ja nur ich gemeint sein. Tatsaechlich, da steht Manoj, die gute Seele von Puranagama, vor mir. Trotz meiner und speziell Manojs allgemeiner zurueckhaltenden Art, gestaltet sich unser Wiedersehen, für unsere Verhaeltnisse, fast enthusiastisch.



Vor dem Flughafen entledige ich mich zuerst meiner Winterklamotten, natuerlich zu spaet um ein Schweissbad zu vermeiden, waehrend Manoj mit seinem Handy unseren Fahrer herbeitelefoniert. Der kommt dann mit dem zweitem Puranagamer Dammith, der auch den weiten Weg auf sich genommen hat, um mich abzuholen. Ueber unser Fahrzeug brauche ich mich nicht zu wundern, schliesslich habe ich das kleinste und guenstigste Auto bestellt, das ist eben der TATA Nano. Der hat annaehernd die Groesse eines Fiat 500, ist aber bequem und genuegend Auto fuer meine Zwecke. Wir fahren mit unserem Kleinwagen mit 4 jungen Maennern, einschliesslich mir, besetzt durch das morgentliche Colombo, die Haendler fangen gerade an ihre Waren am Strassenrand auszubreiten, schnell ist die Lotus Road, in der sich besagtes Galadari Hotel befindet, gefunden. Zumindest ich war aber doch etwas ueberrascht, dass sich auf der gegenueberliegenden Strassenseite direkt das singhalesische Kanzleramt befindet, und das Galadari ein Brocken von 5 Sterne Hotel mit 450 Zimmern ist. Aber ich war nicht der einzige, der ueberrascht war. Die 5 koepfige Concierge, alle mit langen weissen Uniformmaenteln bekleidet und mit weissen Schirmmuetzen am Kopf, betrachten uns genauso skeptisch, wie wir sie. Wahrscheinlich erwarten sie, dass wir gleich die Kalaschnikows auspacken und, ja was eigentlich? Als sie dann den, an ihren Chef adressierten Umschlag lesen, entspannt sich die Situation. Sie fragen mich dann noch, ob ich das Praesent, eine blecherne Dose, mit Schokalade als Inhalt, persoenlich uebergeben wolle. Ich verneine, da ich diesen Hern nicht persoenlich kenne und ihnen durchaus vertraue, den Job für mich zu uebernehmen. Nach ein paar Scherzen und einigen bewundernden Bemerkungen ueber "ihr" Hotel, laesst es sich einer dieser Schirmmuetzen nicht nehmen, mir die Beifahrertuer unseres TATAs aufzuhalten. Dies ist dann eine der Situationen, in der ich es dann schon bedauere, nicht mit meiner Kamera aus meinem Koerper treten zu koennen und mich selber zu fotografieren, aber ich arbeite daran.

Reis, Makrele, Karotten- und Kohlcurry, Dhal (Linsen), gemischter Salat, Bueffeljoghurt mit Sirup, danach plain tea (ohne Milch)
P.S.: Die gruenen Links sind Werbung von Google, die gelben Links sind von mir!
P.P.S.: So kann man sich taeuschen, die gruenen Links sind nur bei mir im Browser, da hab´ich mir wohl einen Virus eingefangen

Donnerstag, 2. Januar 2014

Los geht´s!

Nürnberg-Gostenhof ist auch schön,
momentan aber ca 25° Grad zu kalt!
Jaja, auch die Seefahrt hatte ihre Nachteile, besonders magentechnisch. Mein Trip morgen wird auch nicht ohne, 24 Stunden von Mitteleuropa nach Suedasien.

Donnerstag, 14. Februar 2013

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist ...

Mein Arbeitsplatz für die nächsten 4Stunden
Kaffee, Honigkuchen.

Schon in Dhuuwa wurde mir angeboten auf´s Meer rauszufahren. Dort befindet sich, der Küste vorgelagert, ein Leuchtturm, den könnten wir anschauen. Das klang für mich nicht sehr verführerisch, raus auf´s Meer und wieder zurück? Meine Gegenfrage, ob es denn möglich wäre den Fischern bei der Arbeit zuzusehen, wurde geflissentlich übergangen.
Zurück in Puranagama hatten wir dann eine kleine Nachbesprechung in geselliger Runde, an der auch Kapila, er war ebenfalls in Dhuuwa, teilgenommen hat. Der hat das Thema noch einmal angesprochen und mich wissen lassen, er hätte in Rekawa, gleich unser Nachbarort, ein Fischerboot und wenn ich wolle, könne ich mit ihm rausfahren. Da brauchte man mich nicht zweimal fragen, für die Nacht nach dem Neumond wurde für 2.00 Uhr ein Termin vereinbart.

Es ist 16.30 Uhr, der Nachmittag vor unserem Date und Manoj kommt bei meiner Veranda vorbei und bedeutet mir es ginge jetzt los. Ich will keine Debatte wegen der Verschiebung beginnen, packe meine Kamera in einen Plastikbeutel, Gihan ist auch schon bereit, rein in den Threewheeler und ab nach Rekawa. Wir fahren bei Kapila vorbei und brauchen nicht aussteigen, er hat auf uns gewartet und schwingt sich auf sein Mofa Richtung Hafen Rekawa.
Strand von Rekawa
Aber was heißt hier Hafen, Anlegestelle ist auch schon zu viel gesagt, es ist ein Stück Strand, der einigermaßen durch ein paar vorgelagerte Felsen gesichert ist. Die Boote fahren hier mit Schwung auf das Ufer zu und rutschen dadurch einige Meter den Strand hinauf. Kapila verstaut sein Handy in eine ehemalige Eiscremedose, meine Kamera nochmal in eine Plastiktüte und beides in einen aufgechnittenen Kanister, den er in den Bug, der überbaut ist, schiebt. Menschen die näher an der Küste sozialisiert wurden wie ich, sollen sich nicht über meine ungelenke Ausdrucksweise, bezüglich maritimer Angelenheiten, wundern. Meine Heimat ist etwa 500 Kilometer von jedem Meer entfernt und meine seemännische Erfahrung beschränkt sich auf die Benutzung von Passagierfähren zwischen den griechischen Inseln.

Käpten Kapila links, und mein anderer Kollege
Kapila entfernt die Schutzhülle vom Außenbordmotor und wir schieben das Boot mit dem Heck voran ins Wasser. Nun bedeutet er Gihan und mir einzusteigen, er und sein Gehilfe drehen das Boot um und springen ebenfalls an Bord. Erst auf zweimaliges Ziehen der Anlasserschnur springt der Motor an. Mit leisem Tuckern wird das Riff umrundet und dann mit erhöhter Drehzahl und Geschwindigkeit das Land im rechten Winkel zur Küste verlassen. Die 1 Meter hohen Wellen bilden für unser Boot immer wieder eine Abschußrampe, sodaß, wenn der Außenborder über ein Wellental springt, ein leichtes Aufheulen zu vernehmen ist. Gihan und ich klemmen uns hinter ein 10 cm starkes Rundholz, das quer über den Bug angebracht ist. Die Geschwindigkeit und der dadurch entstehende Fahrtwind läßt ein befreites Gefühl zu, das etwaiges Unwohlsein im Magen verdrängt.
Das Land ist ca 3,5 Kilometer entfernt
Wir kreuzen den Kurs, parallel zur Küste fahrender Trawler mit 5 bis 6 Mann Besatzung, die aus Tangalle kommen und in Richtung ihrer Fischgründe auf der Höhe von Yala unterwegs sind. Als ihnen gewahr wird, daß bei uns ein Europäer an Bord ist, der da eigentlich nicht hingehört, gibt es ein großes Hallo und entsprechendes Gefeixe. Nach 3,5 - 4 Kilometer haben wir unser Zielgebiet erreicht, unser Skipper dreht bei und stellt die Motoren ab, noch keine außergewöhnlichen Befindlichkeiten bei mir.
Wir sitzen auf dem Aufbau, von dem aus Kapila bei weitaus höheren Seegang das Netz bergen wird
Unser Netz

Kapila bedeutet mir, seinen Kollegen beim Auswerfen des Netzes zu unterstützen. Als ich das mit der selben lässigen Attitüde, mit einer Hand, tue wie dieser, bekomme ich vom Chef sogleich einen Rüffel, ich sollte doch beide Hände nehmen, aj, aj, Käptn. Gihan war schon vor Beginn unserer Reise sehr ernst und wird immer grauer im Gesicht, sonst läßt er sich nichts weiter anmerken und wirft die Leine, an der alle Meter ein Haken angebracht ist über Bord, natürlich behält er das eine Ende in der Hand. Er wird auf diese Weise im Laufe unseres Fischzugs 4 Fische fangen. Unser Netz, bei dem ich mich betätige, ist ca 2 Meter breit, an der Seite meines Fischerkollegen mit Bleigewichten beschwert, an meiner Seite mit Styroporkugeln an der Wasseroberfläche gehalten und ca 100 Meter lang. Mittlerweile ist es 18.30, die Sonne untergegangen, die See ist etwas rauher geworden, die Wellen auf ca 1,50 bis 2 Meter gewachsen und wir nehmen jede einzelne mit der Breitseite. Eine Strömung hat uns erfaßt und wir treiben Richtung Westen. Jetzt ist der Zeitpunkt erreicht, wo nicht mehr an fotografieren zu denken ist. Die Hälfte meiner Kraft brauche ich, um mich mit beiden Händen im Boot festzuhalten, die andere Hälfte, mich auf einen festen Punkt am Horizont zu konzentrieren,  um meinen rebellierenden Magen zu besänftigen. Ich weiß nicht wo ich von diesem Trick gelesen habe, er fällt mir aber rechtzeitig ein und er funktioniert. Wenn ich meinen Blick von diesem Punkt abwende, mich zum Beispiel dem, sich übergebenden Gihan zu widmen, spüre ich sofort den aufkommenden Brechreiz und gehe lieber wieder auf meinen Punkt am Horizont zurück. Die Zeit, die Kapila meint den Fischen zu lassen, bei ihm ins Netz zu schwimmen, erscheint mir ewig, wird aber doch wohl nur eine Stunde gewesen sein. Dann kommt sein großer Einsatz, ohne Sicherung auf dem nassen Bugüberbau stehend, zieht er das schwere Netz an Bord. Man vergegenwärtige sich den vorher beschriebenen Seegang und kann die Artistik dieser Vorführung nachvollziehen. Der selbe Seegang, der mich daran hindert, sowohl Foto-, als auch Filmaufnahmen davon zu machen. Nach einer halben Stunde hat er das Netz wieder an Bord und wirft den Motor an, um wieder Kurs gen Land zu nehmen. Das bedeutet zwar noch nicht vollständige Entwarnung für meinen Magen, versetzt mich aber mit der Erwartung, wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen, in Hochstimmung, die nur kurz bei dem Riff vor dem Strand unterbrochen wird. Aber mit einem Scheinwerfer und Routine lösen meine beiden Seebären die letzte Aufgabe mit links.
Unser Fang
Reis mit Curries.

Montag, 11. Februar 2013

Mit Chaka Demus und TATA in den Yala Nationalpark

Kaffee, Honigkuchen.


Bei dem  Titel habe ich ein wenig geflunkert, natürlich war Chaka Demus nur im Autoradio zu hören, Tata war der Markenname unseres Transportmittels und Dhuuwa, ein kleines Fischerdorf, unser Ziel, liegt aber tatsächlich im Yala-Nationalpark.
Dhuuwa
Eigentlich wollten wir nach Dikwella und Dondra, diverse Tempel anschauen und den südlichsten Punkt von Sri Lanka, Gihan kommt aus Dondra. Auf Vorschlag unserer Kumpels wollen wir aber die seltene Gelegenheit wahrnehmen, Dammiths Vater an dessen Arbeitsplatz zu besuchen und die Örtlichkeiten, warum auch immer, für eine kleine Feierlichkeit nutzen. Diesem Anfall von Spontaneität will ich mich nicht verweigern, bis jetzt bin ich damit gut gefahren und wir vereinbaren, daß uns der Fahrer am nächsten Morgen um 9.00 Uhr abholen wird.

Als dann um 10.00 Uhr am nächsten Tag der Fahrer mit seinem kleinen Tata kommt, hat er schon zwei weitere Fahrgäste dabei. Mit den vier Auflagen unserer Liegenstühle wird die Ladefläche ausgepolstert, Gihan packt seine Angel ein, Wasser und andere diverse Picknickutensilien kommen dazu. Insgesamt wird sich die Anzahl der Passagiere auf acht summieren, für mich, als ältesten Insassen ist glücklicherweise der Beifahrersitz reserviert. In Ambalantota machen wir den ersten kurzen Stopp, ein weiterer Kumpel wird eingeladen und die Erstausstattung mit Bier und Spirituosen wird vorgenommen.
Flughafenbaustelle Hambantota
Bevor wir Kurs auf Yala nehmen, müssen wir noch an der Flughafenbaustelle von Hambantota vorbei, uns von der ordnungsgemäßen Bauausführung überzeugen und den Cousin von Manoj einladen. Der Cousin ist schnell gefunden, daß wir aber auf die Baustelle kommen halte ich für ein Gerücht, denn der Cousin ist dort nicht als Ingenieur oder Ähnliches beschäftigt, sondern als normaler Arbeiter. Aber weit gefehlt, nach einigen Telefongesprächen und dem persönlichen Urteils eines, offensichtlich verantwortlichen Pickupfahrers, wird uns ein uniformierter Sicherheitsbeamter zugeteilt und wir dürfen mit unserem Tata direkt bis an den Kontrollturm auf die Baustelle fahren. Der Sicherheitsbeamte erklärt uns alles und wir können sehen, daß Landebahn, Vorfeld und die Gebäude, mindestens von außen betrachtet, fertig sind. Nur die Autobahn als Zubringer zum Flughafen und die Infrasstruktur auf dem Flughafengelände müssen noch zu Ende gebaut werden. Laut Information des Sicherheitsbeamten soll dies bis Mai 2013 vollendet sein, anscheinend wirklich machbar. Nur für zahlreichen Interkontinentalverkehr ist der Flughafen sicherlich nicht ausgelegt, aber durchaus erweiterbar.


Nun geht es aber Richtung Yala, in Tissamaharama, kurz Tissa genannt, werden die Vorraussetzungen für die abendliche Party ergänzt, unter Anderem eine Snare- und eine Bassdrum besorgt. Dann für befreundete Fischer noch ein Aussenbordmotor und selbige Fischer aufgeladen. Zwei hängen aussen am Wagen, wie die die zu bewältigende Holperstrecke am Fahrzeug überstanden haben, dürft ihr mich nicht fragen, spätestens ab diesem Zeitpunkt habe ich es nicht mehr gewagt mich umzudrehen und nachzusehen. Anscheinend hat es geholfen, denn alle sind wider Erwarten unbeschädigt in Dhuuwa angekommen.  Als wir dann endgültig die letzte Abzweigung zum Yala-Nationalpark genommen haben, ich die erstaunten und belustigten Blicke und Zurufe, der dort in Ihren Jeeps auf Touristen wartenden Guides und Fahrer wahrgenommen habe, ist mir klar, auch für singhalesische Verhältnisse sind wir kein normaler Transport.

Hotelruine, vom Tsunami verwüstet
In Dhuuwa ist das Erstaunen ebenso groß, aber nicht wegen unserer übermäßigen Beladung, sondern wegen meiner Anwesenheit. Ich werde herumgeführt, der Fischsortierplatz, die Wiegestation wird mir gezeigt und der Chef vorgestellt.
Chef
Der junge Mann ist Dammith, die Hütte mein Schlafplatz
Hier lerne ich Sunil kennen, der Gihan und mir die Ruinen eines Hotels im Park zeigt, das 2004 vom Tsunami zerstört wurde, allein hier soll es 150 Todesopfer gegeben haben. Später ist hier auch das Militär eingezogen, da Yala von tamilischen LTTE-Kämpfern als Rückzugsgebiet genutzt wurde. Als wir dann in das Dorf zurückkehren, ist schon alles für die bevorstehende Feier gerichtet. Fisch, Arrack, Cola und Musik, alles vorhanden. Den nächsten Morgen und Tag mit der Rückreise nach Puranagama würde ich lieber aus meiner Erinnerung verdrängen.



Feier

Montag, 4. Februar 2013

Felsenkloster Madunagala

Kaffee, Honigkuchen.

Der heutige Ausflug geht auf Manojs Idee zurück, wir benutzen seinen Threewheeler um noch einmal Richtung Madunagala aufzubrechen. Diesmal sollen die heißen Quellen nur eine Zwischenstation sein, unser eigentliches Ziel ist das Waldkloster von Madunagala. Zuerst müssen wir durch Embilipitiya, das ist der Knotenpunkt für alle Trips von Tangalle Richtung Norden. Wir nutzen die Gelegenheit, um Lebensmittel und im Liquorshop ein paar Bier einzukaufen. Mit von der Partie sind Ruwan, der uns fährt, Gihan und Manoj.


Bewässerungskanal
Hinter Embilitiya machen wir unseren ersten Halt an einem Wehr des Walawe Ganga, der hier, im Gegensatz zu Uda Walawe, nicht zur Stromgewinnung genutzt wird. Vielmehr ist hier der Ausgangspunkt für viele Bewässerungskanäle, die nach einem ausgeklügeltem System abwechselnd mit Wasser versorgt werden. Bevor wir dann das Thermalbad von Madunagala erreichen, liefern wir noch die Lebensmittel bei Manojs Schwägerin ab. Sie wohnt hier gleich in der Nähe und wird so nett sein, uns später das Abendessen zuzubereiten. Wir besuchen die heißen Quellen, nehmen aber nur ein kurzes Bad, wir wollen ja noch weiter.


 Jetzt beginnt der spannende Teil unserer kleinen Reise, wir durchkreuzen hinter dem Bad den undurchdringlichen Dschungel auf einer roten Piste. Die Elektrozäune und die Zäune mit Flaschen behängt, sollen die Wächter in den Baumhäusern auf wilde Elefanten aufmerksam machen, die in die Bananenplantagen eindringen wollen. Auch gibt es hier noch Leoparden, wohlgemerkt, wir sind hier nicht in einem kontrollierten Nationalpark in einem stabilen Geländewagen mit erfahrenem Fahrer und Guide. Nur unser windiges Tuk-Tuk, mit mir als Touristen und meinen Begleitern als Pilgern. Nicht umsonst wird den Besuchern der Eremitage geraten, dieses Gebiet vor Einbruch der Dunkelheit zu verlassen. Aber ich kann Entwarnung geben, zwar ist es vorstellbar, dass durch das undurchsichtige Gestrüpp eine Horde Elefanten bricht, wir werden aber sowohl von dieser Überraschung verschont, noch sehen wir Leoparden oder Lippenbären, die hier auch vorkommen sollen.

Karambagala
Klause mit Wildscheinskulpturen

Klostergründer
An dieser Stelle wollte ich über das Felsenkloster Madunagala berichten. Meine bisherigen, touristisch orientierten Quellen sprechen von der Gründung aus der Anuradhapura Periode, das wäre 400 vor Chr. bis 1000 nach Chr.. Da ich auch in diesem Blog seriös berichten will und mir die Zeitspanne doch etwas zu groß ist, suche ich nach anderen Quellen. Da stelle ich fest, daß die einzigen Angaben über Madunagala offensichtlich per "copy and paste" entstanden sind. Der Umstand, dass die Gebeine des Klostergründers anbei eines Fotos 1000, wahlweise 2400 Jahre zur öffentlichen Besichtung ausgestellt sein sollen, macht mich dann doch stutzig. In meiner Version beziehe ich mich weitgehend auf www.buddhanet.net und "The Forest Monks Of Sri Lanka" von Michael Carrithers. Demnach ist wohl doch möglich, daß in besagter Anuradhapura Periode Mönche hier gelebt haben, ist aber reine Spekulation. Sicher ist, daß das heutige Kloster 1946 von Vaturuvile Nanananda gegründet wurde. Michael Carrithers berichtet aufgrund persönlicher Gespräche und des Tagebuches von Nanananda folgende Begebenheit. Nanananada hielt sich im nahe gelegenen Kloster Karambagala auf und hatte Meinungsverschiedenheiten mit den dort etablierten Mönchen und mußte das Kloster verlassen. Er wurde von einem seiner Gefolgsleute darauf hingewiesen, daß sich in dem heutigen Madunagala auch Höhlen wären, die sich für Meditation und Errichtung einer Eremitage eignen würden. Er suchte diesen Platz auf und angeblich sollen zu seiner ersten Predigt Wildschweine gekommen sein und ihm andächtig gelauscht haben. Hier begebe ich mich wieder auf das Feld der Legende, aber nur, weil sich dies auch in zu besichtigenden Skulpturen manifestiert hat. Die größte der Höhlen wäre demnach von Jägern zum Trocknen von Fleisch genutzt worden, worauf Nanananda besonders stolz war dies unterbunden zu haben.

Wir erreichen den unbefestigten Parkplatz des Klosters, haben lange Hosen an, keinen Alkohol getrunken, stellen das Rauchen ein und entledigen uns unserer Schuhe. Die Treppen die zu den ersten sichtbaren Häusern des Klosters führen, sind mit Schildern auf Sinhala versehen, auf denen dies reklamiert wird. Als wir den Vorplatz betreten, kommt aus einer der Höhlen, deren Eingänge mit Mauern verbaut sind, ein etwa 30 Jahre alter Mönch, mit orangenem Kleid und für singhalesischen Verhältnisse großem Wuchs. Meine Begleiter überraschen mich, indem sie sich vor dem Mönch auf die Knie werfen, die Arme in Richtung seiner Füße strecken und den Kopf demütig gen Boden richten. Da ich, auch in Zukunft, nicht vorhabe mich vor einem Menschen in den Staub zu werfen, aber trotzdem meine Ehrerbietung erweisen will, reagiere ich spontan mit der arabischen Begrüßung, die eine leichte Verbeugung bedeutet und die rechte Hand zum Herzen führt. Dies wird mit einem wohlwollenden Lächeln und leichtem Nicken erwidert. Der Mönch gibt Manoj einen Schlüssel, der uns den Tempel auf der Spitze des Hügels öffnen soll. Vorbei an diversen Zisternen, den Knochen des Gründers, und einigen Klausen, erklimmen wir das Zentrum des Waldklosters und haben einen Rundblick bis Ambalantota und dem vorher erwähnten Karambagala.
Mönchsklause, der Schirm sagt: Mönch zuhause
 Red rice, Ladyfinger, Soyameat, Snakegod, Cabbage, Kokoscurry, Lion strong.

Donnerstag, 24. Januar 2013

Himmelsphänomen

Ihr werdets nicht glauben, der Wolkenring ist kein Reflex oder irgendeine fotographische Finesse.  Belichtung 0,6 Sekunden und mit bloßem Auge genauso zu sehen. Unsere Erklärung hat irgendetwas mit Äquatornähe und dem bevorstehenden Vollmond zu tun, weiß irgendjemand etwas genaueres, scheint hier öfter zu beobachten zu sein.